Jacques Kolumne

Tach zusammen!

Ich wollte mich nur mal kurz vorstellen. Ich heiße Jacques vom Egelschütz, ihr dürft aber alle Jacques zu mir sagen. Ich bin der Neue an der Seite von Frank. Ich bin ein belgischer Schäferhund und wer es ganz genau wissen will, ich bin ein Tervueren. Da ich mich im Moment ziemlich schnell verändere, gibt es unten einen Fotogalerie, in der ihr Fotos von mir sehen könnt.

Ich habe schon gemerkt, daß Frank ziemlich viel mit Menschen und ihren Hunden zu tun hat, so daß ich da so einiges mitbekomme und da habe ich mir gedacht, dazu muß ich mal ab und zu meine Meinung sagen. Sozusagen aus der Sicht eines Hundes. Wen das interessiert, der kann ja regelmäßig auf meine Seite klicken, um Neues zu erfahren.

„Warum heißt das eigentlich Hundeschule?“

Wenn man sich mal überlegt, was inzwischen so alles für den Hund angeboten wird, dann gibt es zwei mögliche Schlußfolgerungen, liebe Leute : wir sind ganz schön wichtig, denn es hat sich eine richtige „Hundeunterhaltungindustrie“ entwickelt oder aber, wir sind ganz schön dumm, denn es macht eine Hundeschule nach der anderen auf – jede übrigens mit einer anderen Trainingsphilosophie – könnt ihr euch nicht mal einig werden??? – So schwer ist das doch gar nicht!!! - Was ich bis heute noch nicht verstanden habe, liebe Leute : Warum heißt das eigentlich Hundeschule??? – kann mir das mal einer erklären!!! Denen, die nun ratlos vor dieser Frage stehen, will ich mal erklären, was ich meine. Wenn ihr ein Auto fahren wollt, geht ihr dann in die Autoschule? – Seht ihr!!! – Ihr geht in eine Fahrschule. Hier bringt man euch bei, wie man richtig und sicher ein Auto fährt. Ihr lernt ein Auto zu bedienen, ihr werdet damit vertraut gemacht, wie ein Auto reagiert, wenn man zum Beispiel zu schnell fährt oder ihr lernt, wie man ein Auto einparkt. Das Auto muß nichts lernen – ihr müßt etwas lernen! Bei uns Hunden ist das ähnlich! Ihr lernt sozusagen, uns......zu bedienen – die Doppeldeutigkeit gefällt mir in diesem Zusammenhang – aber Spaß beiseite,denn mir ist bei diesem Thema gar nicht zum Lachen.- Also zurück zur Hundeschule. Die müßte meiner Meinung nach eigentlich Menschenschule heißen. Eine Schule, in der Menschen lernen, unsere Hundesprache zu verstehen, denn schließlich versuchen wir ständig Euch etwas mitzuteilen. Eine Schule, in der Menschen lernen ihre Sprache der unseren etwas anzupassen. – Ist gar nicht so schwer.- Eine Schule, in der Menschen lernen, mehr Geduld zu entwickeln, damit zum Beispiel die Schreierei mal ein Ende hat. Eine Schule, in der Menschen lernen, uns etwas beizubringen, ohne uns zu quälen. Eine Schule also, in der Menschen etwas von uns verstehen lernen wollen, statt sich darauf zu reduzieren, uns auf Teufel komm raus Sitz, Platz und Bei Fuß einzubleuen. Es ist ja nicht so, als wollten wir Hunde nichts lernen, im Gegenteil, wir sind ganz wild aufs Lernen, wenn man es uns vernünftig vermittelt. - Da fällt mir gerade noch eine andere Frage ein. Kann mir bitte mal jemand sagen, welcher Schwachkopf für das gemeinsame Training von Menschen und Hunden den Begriff „Unterordnung“ erfunden hat und warum der heute immer noch benutzt wird??? - Liebe Leute, wenn wir Hunde nicht so nachsichtig und anpassungsfähig wären, dann würde das mit dem Zusammenleben von Menschen und Hunden schon seit jahrtausenden nicht mehr funktionieren. Und mal im Ernst, wenn ich mir so einige Menschen mit ihren Hunden anschaue, dann stellt sich die berechtigte Frage: Wer ordnet hier wen unter oder moderner ausgedrückt, wer manipuliert wen??? – Liebe Leute, wenn ihr bereit seid, uns zu akzeptieren , wie wir wirklich sind, dann ist Sitz, Platz und Bei Fuß ein Klacks, das schafft ihr mit Links – und manchem ist es dann vielleicht auch gar nicht mehr so zwanghaft wichtig. -

bis demnächst,

euer Jacques


„Warum habt Ihr eigentlich Angst vor uns?“

Mal ganz langsam von vorne: Es gibt ja Menschen, die mögen keine Hunde; das ist ja okay. Es gibt ja auch andere, die mögen keine Spinnen oder Frösche oder was weiß ich; das ist ja auch okay. Und dann gibt es die Menschen, die haben regelrecht Angst vor Hunden, aus was für Gründen auch immer. Alle diese Menschen werden sich mit Sicherheit keinen Hund nach Hause holen, oder? Ist doch eigentlich logisch! Ich habe in acht Monaten aber schon eine ganze Menge Menschen kennengelernt, Menschen, die mit Hunden zusammenleben und Angst vor ihnen haben. Wir Hunde spüren das, wir haben ein ganz ganz ganz feines Näschen für Angst. Ich habe mal versucht zu beobachten, wann diese Angst auftritt, denn diese Menschen haben ja nicht grundsätzlich Angst vor uns. Ich will es euch verraten: sie haben Angst vor unseren Trieben. Oder genauer gesagt, sie haben Angst vor dem Moment, in dem sie unsere Triebe nicht mehr kontrollieren können. Diese Angst ist groß und so mächtig, daß sie das Handeln dieser Menschen vollkommen bestimmt. Diese Menschen suchen verzweifelt nach Möglichkeiten, nach Trainingstechniken mit denen sie Herr unserer Triebe werden können. Klappt aber meistens nicht, will wir Herr unserer Triebe bleiben, auch wenn ihr versucht sie erfolgreich zu kanalisieren. Es gibt für alles Grenzen. Wenn vor mir im hohen Gras ein Hase aufspringt, dann geh ich hinterher, das täte jeder Hund,der noch einigermaßen laufen kann. Das könnt ihr nicht wegtrainieren. - Jetzt sagt ihr vielleicht, was will uns den der kleine Kerl da erzählen, der scheint ja wohl frühreif zu sein. Nein, liebe Leute, ich bin einfach nur ein guter Beobachter. Beobachten ist für uns Hunde nämlich überlebenswichtig. - Wir Hunde haben ja nun mal ganz unterschiedliche Triebveranlagungen, auf Grund derer wir vor langer Zeit unsere Jobs bekommen haben. Nicht so wie heute, wo wir maximal einer Nebenbeschäftigung nachgehen, manche von uns haben sogar nur einen „Ein-Leckerchen-Job“. - Es soll ja heute Menschen geben, die möchten gerne einen „Familienhund“, der soll aber bitte möglichst keine Triebe haben, weil vor denen haben sie ja Angst. Liebe Leute, diese Menschen sollten sich besser einen Hund mit Knopf im Ohr kaufen und uns in Ruhe lassen – uns Hunde gibt es nicht ohne Triebe! Ich kann diese ganze Diskussion um unsere bösen Triebe sowieso nicht verstehen, ihr Menschen habt ja wohl auch noch ein paar rudimentäre Triebe, denen ihr euch gelegentlich hemmungslos hingebt, oder? Habe ich das falsch beobachtet? Also, liebe Leute, ihr müßt keine Angst vor uns und unseren Trieben haben. Akzeptiert einfach, daß sie da sind, so wie eure auch und gebt uns Gelegenheit, sie sinnvoll auszuleben. Schon ist das Problem mit eurer Angst gelöst.

bis demnächst,

euer Jacques


„Trieb macht dumm aber glücklich“

Diesen Spruch habe ich gestern auf einem T-Shirt gesehen. Glücklich stimmt schon, aber wieso dumm? Ich finde, Trieb macht schlau! - Ihr Menschen redet euch ja unsere Triebe manchmal schön. Ich war gestern auf meiner ersten Ausstellung. Wir waren schon ziemlich früh da und ein paar andere auch. Die Veranstaltung war auf einem sehr schönen Wiesengelände, wo alle Hunde frei laufen durften; Frank leinte mich auch gleich ab, damit ich die anderen kennenlernen konnte. Die meisten waren älter als ich, aber da habe ich ja kein Problem mit. Nach 10 Minuten rumtoben, fing auf einmal ein erwachsener Rüde an mich zu jagen und die anderen machten natürlich sofort mit – so sind wir nun mal. Ich suchte verzweifelt eine Stelle, wo ich mich in Sicherheit bringen konnte. Mit eingezogenem Schwanz und angelegten Ohren lief ich immer wieder um einen Bauwagen herum, der am Rand des Geländes stand und versuchte darunter Schutz zu finden, klappte aber nicht. Ich dachte: „Verdammt, warum hilft mir den keiner!“ Da stand Frank endlich von seinem Kaffee auf, kam rüber, stellte sich über mich, sagte laut und deutlich: „Stop!!!“ und schickte die anderen weg. Die gingen auch. Das hätte ich mir früher gewünscht, aber besser als gar nicht! Ich versuchte nach einiger Zeit vorsichtig wieder Kontakt zu den anderen aufzunehmen und Frank ging zu seinem Kaffee zurück. Als ich gerade mal in seiner Nähe war, hörte ich, wie der Mensch des älteren Rüden mit leicht pädagogischen Unterton in der Stimme zu Frank meinte: “Das war ein ganz natürliches Ausleben des Meutetriebs!“ Super! , dachte ich. Da leben fünf mal ungestört ihren Meutetrieb aus und ich bin der Blödmann, der das aushalten muß! Ich war sehr gespannt, ob Frank jetzt was sagt, aber ich roch, daß er etwas sauer war und dann hält er meistens den Mund. Jedenfalls morgens um acht. So war es dann auch, ich kenne ihn doch schon ganz gut. War ich froh, daß Frank das anders gesehen hat und gemerkt hat, daß ich gemobbt wurde. Insofern, liebe Leute, Trieb anschauen und richtig einordnen, kann auch schlau machen!

bis demnächst,

Euer Jacques


„Was wollt ihr eigentlich von uns???“

Ich bin ja noch nicht lange auf der Welt und lerne das Leben gerade erst kennen; aber ein paar seltsame Dinge sind mir doch schon aufgefallen, die hier mal besprochen werden müssen, liebe Leute. - Wir Hunde kommen mit gewissen, vorbestimmten Veranlagungen und Bedürfnissen auf die Welt, die sich von euren menschlichen Vorstellungen, wie ein Hund sein muß, diametral unterscheiden. Ich will mal kurz unsere Bedürfnisse im Groben aufzählen: wenn ihr uns vom Züchter holt, haben wir bis zu diesem Zeitpunkt jeden Tag mit unseren Geschwistern getobt, wir sind mit ihnen gerannt, haben mit ihnen gekämpft, haben unsere kleinen spitzen Zähnchen in das geschwisterliche Fell versenkt, haben um Beute gestritten und haben kurz danach in aller Friedlichkeit dicht zusammengekuschelt geschlafen – schließlich sind wir eine Familie. Und dann kommem wir zu Euch – und all das ist nicht mehr da!!! Wer tobt mit uns? In wen sollen wir unsere Zähne versenken? Warum dürfen wir nicht ganz dicht bei Euch schlafen? Für uns ist das normal! Gut, ich kann verstehen, daß Frank das nicht toll fand, als ich meine Welpenzähne urplötzlich beim Kuscheln in seine Nasenspitze versenkt habe – war ja auch gar nicht böse gemeint. Ich mußte ja erst lernen, daß Menschen das nicht so toll finden. Ich habe dann ganz erstaunt gemerkt, daß er meine „Sprache“ spricht,denn er hat mich angeknurrt und leicht die Zähne gezeigt. Da wußte ich, daß ich jetzt besser aufhöre, aber ich wußte auch, daß ich in 5 Minuten mal wieder mit zurückgelegten Ohren und leicht züngelnd kommen kann, und daß dann alles wieder in Ordnung ist. So sind wir Hunde – überhaupt nicht nachtragend, wenn man es uns richtig sagt. Wir wollen die Welt kennenlernen und erkunden und alles, das wir nicht kennen ist erst mal interessant und muß untersucht werden. – Wir kommen eben mit hundlichen Veranlagungen und Bedürfnissen auf die Welt. Warum habt ihr nicht mehr Geduld mit uns? Ich habe neulich von einer Hundeschule gehört, in der Hunde mit vier bis fünf Monaten unter Leinenruck am Halsband „erfolgreich“ das „Bei Fuß-Gehen“ lernen. Seit ihr eigentlich bescheuert! Mal abgesehen davon, was das für unsere Halswirbelsäule bedeutet, machen Eure Kinder mit 6 Jahren Abitur??? – Na also! Ich verrate Euch mal ein Geheimnis: ein Hund, der den Rest seines Lebens gut „Bei Fuß“ gehen soll, lernt dies unter hoher Motivation und als was Tolles kennen und nicht unter Druck und Schmerzen am Hals.

bis demnächst,

Euer Jacques



zur Galerie »

 
 
   
  © 2009 Hund & Partner | Realisation praeco-media.com