Presseberichte

erschienen im Stadtspiegel am 30.12.2008

Gefühl und Verstand

Frank Rühl trainiert Hunde und vor allem ihre Menschen

Krefeld. Erfolgreiches Führen erfordert: kritische Selbstwahrnehmung, Empathie, klare Kommunikation und soziale Kompetenz. Das klingt wie aus einem Seminar für zukünftige Manager. Tatsächlich handelt es sich aber um die Philosophie des Hundetrainers Frank Rühl aus Gellep – Stratum. „Den meisten Menschen ist natürliches Führen fremd geworden“, sagt er. „Fast immer liegen die Probleme mit dem eigenen Hund in einem Fehlverhalten des Menschen“. Aus diesem Grund ist „Hundetrainer“ eigentlich nicht die richtige Bezeichnung für Frank Rühls Beruf. Er versteht sich vielmehr als „Menschentrainer“. Denn obwohl es immer mehr Menschen gibt, die einen Hund halten, haben viele nur wenig Ahnung von den Bedürfnissen und natürlichen Verhaltensweisen ihres Vierbeiners.

„Der Mensch muß lernen, den Hund zu verstehen. Wenn der Mensch sich richtig verhält, dann macht der Hund automatisch mit“, weiß Rühl. „Wir müssen uns von der Vorstellung verabschieden, immer das Alphatier raushängen lassen zu müssen“. „Führen statt Dominieren“, lautet die Devise. Deshalb zieht Rühl den Begriff „Hundeführer“, der früher gebräuchlich war, den modernen Varianten wie „Hundehalter“ und „Hundebesitzer“ vor. Denn ein Hund, der adäquat geführt wird, ist ein zuverlässlicher Partner. „Früher wurden die meisten Hunde als Dienst- oder Gebrauchshunde gehalten und hatten eine Aufgabe“, erzählt er. „Heute hat sich die Funktion des Hundes gewandelt. Immer mehr Menschen sehen ihren Hund als Partnerersatz und ignorieren dessen natürliche Bedürfnisse.“ Wenn der Hund nicht mehr „er selbst“ sein darf, entstehen Probleme. Dann kommen die Menschen bestenfalls mit ihrem „Problemhund“ zu Frank Rühl oder geben ihren Hund, im schlimmsten Fall, im Tierheim ab. „In solchen Fällen helfen nur Ruhe und Geduld. Man muß herausfinden, was die Ursachen für das Verhalten des Hundes sind, um diese dann zu behandeln. Viele Hundeschulen kümmern sich nur um Symptome“, erzählt Rühl.

Auch der Ruf des „gefährlichen Kampfhunds“ beruht nicht auf der Tatsache, dass manche Rassen tatsächlich aggressiver sind als andere, sondern darauf, dass der Hund von seinem Halter falsch behandelt und erzogen wird. “Es gibt keine gefährlichen Rassen, nur individuell gefährliche Hunde“, weiß Rühl, „Natürlich ist ein Labrador leichter zu erziehen als ein Dobermann, aber das ist züchterisch gewollt.“ Während der Dobermann früher vor allem als Wach- und Schutzhund eingesetzt wurde, lag die Aufgabe des Labradors darin, Beute unbeschädigt zum Hundeführer zu bringen. Daher sind Unterschiede in der Wesensart nicht verwunderlich. Ein gefährlicher Hund ist ein missverstandener Hund. Darum ist es wichtig, dass der Mensch seinen Hund verstehen lernt, damit er nicht nur ein Hundebesitzer, sondern auch ein Hundeführer ist. Denn eine gute und sichere Führung und Verständnis sind für Rühl die Grundlage für ein entspanntes Zusammenleben.

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