Philosophie

Jeder Mensch ist ein Individuum – Jeder Hund auch!!!

Liebe Hundefreunde,

wir alle wissen, daß sich die Rolle des Hundes in den vergangenen Jahrzehnten grundlegend geändert hat. Nach mehreren tausend Jahren als Arbeits- und Gebrauchshund wurde er in nicht einmal 50 Jahren zum Begleiter des Menschen, Familienmitglied und Sozialpartner. Es liegt aber immer noch in der Natur aller Hunde Herden zu hüten, Spuren zu lesen, Beute aufzuspüren oder die eigene Gruppe mit allen Kräften zu verteidigen. In jedem Rassehund und in jedem Mischling steckt das jahrtausende alte genetische Erbe einer Arbeitsrasse. Wir müssen unseren Hunden die Möglichkeit geben Hund zu sein! Irgendwann vor langer Zeit hat ein Wolf den breiten Graben übersprungen, der uns getrennt hatte und ist mit uns langsam Hund geworden. Wird es nicht höchste Zeit seine Sprache zu lernen?

Worin liegt nun der Schlüssel zum Erfolg für ein harmonisches Zusammenleben? Wenn wir genau hinschauen und beobachten, wie friedlich und strukturiert Hunde ihr soziales Miteinander organisieren, dann können wir Menschen noch viel lernen. Jedes freilebende Wolfsrudel ist ein Musterbeispiel sozialer Kommunikation. Genau da liegt der „Schlüssel“ und unsere Chance. Wir dürfen unseren Hund nicht zum „Mensch ehrenhalber“ erklären, das ist er nicht und will er auch nicht sein. Lernen wir seine Bedürfnisse nach Erfüllung von Aufgaben zu befriedigen, lernen wir eine neue „Fremdsprache Hund“ und viele Probleme entstehen erst gar nicht oder werden verschwinden.

Beide Seiten, Mensch und Hund haben ein ausgeprägtes Kommunikationssystem.Das menschliche ist sehr stark verbal geprägt, das des Hundes vorwiegend körpersprachlich. Sein Kommunikationssystem ist so differenziert, subtil und schnell, daß uns Menschen häufig das Wesentliche entgeht. Warum bemühen wir uns nicht, für unseren Hund „verständlich“ zu kommunizieren, ein artübergreifendes Kommunikationssystem ist das Mittel, das uns dabei hilft. Wir beurteilen Hundeverhalten nach menschlichen Maßstäben.

Der bekannte Zoologe Desmond Morris schreibt in seinem Buch „Dogwatching“:

„Unsere Beziehung zu ihnen ist von besonderer Art und unser Zusammenleben seit Urzeiten durch einen Vertrag mit spezifischen Abmachungen geregelt. Leider wurde dieser Vertrag nur allzu häufig gebrochen, und zwar hauptsächlich von uns Menschen“.

Denken Sie bitte daran: Hunde können die Welt in der sie leben nur aus ihrer Perspektive erleben und begreifen. Und diese Welt hat sich in den letzten Jahrzehnten verdammt schnell verändert, nicht nur für uns, auch für unsere Hunde. Hunde, deren Vorfahren vor noch nicht langer Zeit Herden zusammenhielten und Eindringlinge bekämpften, sitzen heute auf Sofas in beheizten Wohnungen und sollen klaglos menschliche Regeln befolgen, still sitzen, geduldig Auto fahren und Nachbars Rüden ja nicht anknurren. Auch wenn Hunde eine sehr hohe soziale Anpassungsfähigkeit besitzen: denken wir einmal über ihre Triebveranlagungen nach und geben ihnen positive Aufgaben, die sie erfüllen können. Ihr Hund möchte nicht arbeitslos sein und wenn Sie ihm keine Aufgaben geben, muss er sich selber Aufgaben suchen. Wir haben es in der Hand, dies zu steuern und zu kanalisieren, damit die Erwartungen beider Seiten zufriedengestellt werden.

Wir sollten den Versuch wagen, die Welt stärker aus der Sicht unserer Hunde zu sehen, ich garantiere Ihnen, es lohnt sich. Erziehung - nicht nur von Hunden - hat immer mit gegenseitigem Respekt zu tun.

Ihr Frank Rühl

 
 
   
  © 2009 Hund & Partner | Realisation praeco-media.com